Ein Rollstuhl Urlaub in der Ferne wirft viele Fragen auf: Funktioniert der Assistenzservice am Flughafen? Wie barrierefrei sind Unterkünfte in Afrika?
Florian Flügge bereist leidenschaftlich die Welt und teilt seine persönlichen Erfahrungen über das Reisen mit Rollstuhl mit uns - mit dem Ziel, Barrieren im Kopf abzubauen, anderen Mut für eigene Abenteuer zu machen und zu zeigen, dass auch ferne Ziele mit der richtigen Planung mutig erkundet werden können.

Fliegen und Ankunft: So entspannt beginnt der Rollstuhl Urlaub
Viele Menschen haben großen Respekt vor Langstreckenflügen, doch für uns ist das Fliegen tatsächlich der entspannteste Teil. Wer ein Reisen mit Rollstuhl plant, darf auf die weltweiten Strukturen vertrauen. Am Check-in geben wir die „Verantwortung“ ab und lassen uns vom Assistenzservice bis zum Gate begleiten. Mit einem schmalen Gangrollstuhl geht es beim Boarding direkt bis zum Sitz.
Ein entscheidender Tipp für einen entspannten Rollstuhl Urlaub: Wir fragen gezielt nach einer freien Viererreihe in der Mitte. Bleiben die Plätze neben uns frei, gewinnen wir Raum und Komfort, was besonders auf dem fast 12-stündigen Rückflug von Mauritius ein absoluter Gamechanger war.
Mein Fazit: Wer einen Rollstuhl Urlaub plant, sollte keine Angst vor dem Fliegen haben. Die Strukturen sind da.
Freiheit auf vier Rädern: Der perfekte Mietwagen für Südafrika
Die richtige Ausstattung ist das A und O. In Südafrika war unser Hyundai Staria, ein großzügiger Neunsitzer, der Schlüssel zur Freiheit. Das Besondere: Mein Rollstuhl musste weder zerlegt noch zusammengeklappt werden. Er wurde einfach komplett ins Auto gestellt. Was banal klingt, ist beim Reisen mit Rollstuhl eine enorme psychische und körperliche Entlastung – kein Kraftaufwand, kein Stress, einfach losfahren.
Da meine Frau am Steuer saß, lernten wir die Tücken des Linksverkehrs kennen. Für mich als Beifahrer bedeutete das eine Umstellung der Routine: Ich bin es gewohnt, über rechts einzusteigen. Das Umsteigen über die linke Seite war körperlich deutlich anstrengender. Hier zeigt sich, wie sehr Bewegungsabläufe beim Reisen mit Rollstuhl in Fleisch und Blut übergehen.

Barrierefreiheit in Südafrika: Zwischen Tafelberg und Kap der Guten Hoffnung
Südafrika ist vielleicht nicht flächendeckend so genormt wie Deutschland, aber an den touristischen Hotspots ist ein Rollstuhl Urlaub überraschend gut machbar. In den Regionen, die viele Besucher anziehen, ist Inklusion längst angekommen:
- V&A Waterfront: In Kapstadts pulsierendem Hafenviertel kommt man problemlos voran.
- Tafelberg: Dank der barrierefreien Seilbahn ist das Plateau erreichbar, wo ich mich frei bewegen konnte.
- Kap der Guten Hoffnung: Die Standseilbahn „Flying Dutchman Funicular“ brachte uns barrierefrei bis hoch zum Leuchtturm.
Es ist ein befreiendes Gefühl zu erleben, dass Rollstuhlfahrer an diesen Sehnsuchtsorten ganz selbstverständlich mitgedacht werden.
Alltag und Gastfreundschaft: Kleine Details mit großer Wirkung
Was mich positiv überrascht hat: Oftmals war in den Restaurants der Unterkünfte automatisch ein zusätzlicher Stuhl beiseite gestellt worden, weil klar war, dass ich meinen eigenen Rollstuhl nutze. Das sind kleine Details – aber sie zeigen Aufmerksamkeit.

Das Essen war insgesamt sehr gut und im Vergleich zu Deutschland überraschend bezahlbar.
Besonders angenehm fand ich auch, dass es in Südafrika sehr viele behindertengerechte Toiletten gab. Wir mussten eigentlich nie danach suchen, das war unkompliziert und gut durchdacht – ein weiterer Punkt, der die Reise sehr angenehm gemacht hat.
Grenzen spüren: Wenn die Natur nach anderen Wegen verlangt
Trotz aller Begeisterung gab es Momente der Sehnsucht. Mir fehlen auf Fernreisen oft die echten Wanderungen - dieses Gefühl, mitten im Wald, an Klippen oder tosenden Wasserfällen zu stehen. In Deutschland nutze ich dafür meinen speziellen Outdoor-Elektrorollstuhl. Diesen im Flugzeug mitzunehmen, ist jedoch eine logistische Mammutaufgabe und kam für uns daher nicht in Frage.
So bleibt die Erkenntnis: Ein Rollstuhl Urlaub in Übersee erfordert Kompromisse bei Naturerlebnissen. Der erste Teil in Südafrika war sehr anstrengend, kein Erholungsurlaub im klassischen Sinne, aber trotzdem Urlaub für die Seele und eine tolle Erfahrung.
Die Magie der Menschen und die “Wir kriegen das hin“ Mentalität
Was mich am tiefsten beeindruckt hat, war nicht nur die Landschaft, sondern die Menschen. Diese Haltung: “Wir kriegen das hin.“ Egal ob beim Hubschrauberflug in Kapstadt oder einer Traktor-Safari. Wir sind hingefahren, und ohne lange zu fragen haben sie mich samt Rollstuhl in die Transportmittel gehoben. Kein Drama. Keine Diskussion.
Es ist ein unglaubliches Gefühl zu erleben, wie sehr Menschen bereit sind zu helfen und Dinge möglich zu machen.

Mauritius: Wenn Menschlichkeit bauliche Mängel besiegt
Das Hotel auf Mauritius war leider weniger rollstuhlgerecht, obwohl es so beworben wurde. Zum Strand und ins Wasser musste ich getragen werden.
Doch auch hier rettete die menschliche Wärme unseren Urlaub . Die Mitarbeiter waren unermüdlich bemüht, organisierten und halfen, wo sie nur konnten. Mauritius wurde so zum Ort der Entspannung, an dem wir die intensiven Eindrücke Südafrikas verarbeiten konnten.
Fazit: Rollstuhl bedeutet nicht Stillstand, sondern andere Wege
Ich sage oft: Rollstuhl bedeutet nicht aktivlos. Eine Reise mit Rollstuhl bedeutet keinen Stillstand, sondern das Entdecken neuer Wege. Natürlich braucht es Unterstützung und Planung, aber vor allem braucht es einen starken Willen und den Mut, Dinge einfach auszuprobieren. Man darf sich nicht von der Angst bremsen lassen, dass etwas “nicht geht“. Vieles geht – nur eben anders.
Südafrika ist kein perfekt barrierefreies Land, aber ein Land, in dem viel möglich gemacht wird. Die Auswahl der richtigen Unterkünfte ist entscheidend. Wer einen Rollstuhl Urlaub plant, braucht Vorbereitung, Unterstützung und Willen.
Aber es lohnt sich! Denn am Ende entdeckt man nicht nur neue Orte, sondern erlebt, dass das Reisen mit Rollstuhl nicht das Ende von Aktivität ist -
sondern der Anfang eines neuen Abenteuers.

Florians Reise zeigt: Ein Rollstuhl Urlaub in der Ferne ist mit der richtigen Vorbereitung ein unvergessliches Erlebnis.
Sollten Sie Fragen zu dieser Route haben oder Unterstützung bei Ihrer eigenen Reiseplanung benötigen, freuen wir uns auf Ihre Nachricht. Nutzen Sie gerne unsere Kontaktmöglichkeiten für einen gemeinsamen Austausch zu Ihrem nächsten Abenteuer!

