Weltweit gibt es heute nur noch fünf arten in der Familie der Nashörner - einige davon sind in Asien beheimatet, doch die bekanntesten Vertreter leben südlich der Sahara in Afrika. Alle Spezies stehen auf der Roten Liste der IUCN. Die grassierende Wilderei ist allgegenwärtig: Kriminelle Wilderer jagen die Tiere unerbittlich wegen ihres Horns. Doch es gibt Hoffnung. Dank streng bewachter Schutzgebiete und engagierter Projekte steigt die Zahl der Nashörner in Afrika erstmals wieder an.
Wer afrikanische Nashörner heute in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten möchte, findet in ausgewählten Schutzprojekten die besten Chancen - und unterstützt dabei den Schutz dieser sanften Riesen.
Aber wo kann man am besten Rhinos tracken? Und was habe ich zu erwarten?
Gut zu wissen: Das Verhalten der Nashörner verstehen
Bevor Sie eine Reise planen, hilft es, die beiden afrikanischen Arten zu unterscheiden: das Breitmaulnashorn (oft auch als „weißes“ Nashorn bezeichnet) und das Spitzmaulnashorn (auch als „schwarzes" Nashorn genannt).


🌿 Der Unterschied beim Fressen: Beide afrikanischen Nashornarten sind reine Pflanzenfresser, nutzen aber andere Nahrungsquellen. Das Breitmaulnashorn grast am Boden, weshalb das Maul flach und breit geformt ist. Das Spitzmaulnashorn hingegen gilt als Einzelgänger und nutzt seine bewegliche, spitze Oberlippe, um Blätter und Zweige von Akazienbüschen zu pflücken.
🌍 Sinne und Schutz: Ein ausgewachsenes Nashorn wiegt mehrere tausend Kilogramm. Das markante vordere Horn besteht übrigens komplett aus Keratin - exakt dem gleichen Material wie unsere Fingernägel. Da ihr Sehvermögen eher schwach ausgeprägt ist, können die Tiere hervorragend gut hören und riechen. In den Savannen verteidigt eine Mutter ihr Kalb vehement gegen Raubtiere wie Hyänen - die größte Gefahr bleibt jedoch leider der Mensch.
🦏 Verhalten: In Filmen und Dokus werden Nashörner oft als aggressive, panzerähnliche Kolosse dargestellt. Die Realität im Busch sieht jedoch ganz anders aus: Nashörner sind tatsächlich Fluchttiere und extrem schüchtern. Dass sie dennoch den Ruf als unberechenbare „Wutbolzen“ weghaben, liegt an einer biologischen Besonderheit und einem cleveren Bluff: Nashörner sehen auf Entfernungen von über 20 Metern so gut wie nichts mehr. Sie nehmen oft nur vage, verschwommene Bewegungen wahr. Fühlt sich das Tier überrascht oder in die Enge getrieben, wählt es mangels Sehkraft die Strategie „Flucht nach vorne“. Es rennt mit bis zu 50 km/h direkt auf die vermeintliche Bedrohung zu. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei jedoch um einen reinen Scheinangriff - kurz vor dem Ziel drehen die Tiere ab oder rennen schlichtweg blind am vermeintlichen Angreifer vorbei. Zudem ist das Spitzmaulnashorn etwas scheuer als das Breitsmaulnashorn.
Was genau erwartet Sie beim Rhino Tracking?

Unter dem Begriff Rhino Tracking versteht man weit mehr als eine klassische Pirschfahrt im geschlossenen Safarifahrzeug. Gemeinsam mit bewaffneten Rangern und Spurensuchern steigen Sie meist aus dem Wagen aus und bewegen sich zu Fuß durch den Busch.
Sie lernen, frische Fährten zu lesen, die Windrichtung zu prüfen und sich lautlos zu verhalten. Da man sich den Tieren ohne schützendes Blech nähert, sorgt dieses Abenteuer für einen unvergesslichen Adrenalinkick - immer mit dem maximalen Respekt vor den Tieren und ihrer Sicherheitsdistanz.
Auf den Spuren der Nashörner: Schutzgebiete für Rhino Tracking
Ein Großteil der weltweiten Population hat sein Leben in Südafrika und den angrenzenden Nachbarstaaten. Doch über den gesamten Kontinent verteilt gibt es spektakuläre Sanctuaries, die sich über spezialisierte Veranstalter buchen lassen.
1. Ol Pejeta Conservancy & Lewa Wildlife Conservancy (Kenia)
Kenia ist ein Pionier beim Schutz der Dickhäuter. In der 360 Quadratkilometer großen Ol Pejeta Conservancy leben derzeit rund 200 Exemplare. Neben der Chance, sowohl das Breitmaul- als auch das Spitzmaulnashorn zu sehen, befindet sich hier das Sweetwaters Chimpanzee Sanctuary für gerettete Schimpansen.
Ein echter Geheimtipp ist zudem die benachbarte Lewa Wildlife Conservancy. Sie beherbergt eine der dichtesten Populationen an Spitzmaulnashörnern weltweit sowie das vom Aussterben bedrohte Grevy-zebra.
2. Ziwa Rhino Sanctuary (Uganda)
Während des verheerenden Bürgerkriegs wurden Nashörner in Uganda komplett ausgerottet. Dank der Arbeit des Rhino Funds wurde das Ziwa-Schutzgebiet ins Leben gerufen. Hier werden die Tiere gezüchtet und medizinisch gepflegt, mit dem langfristigen Ziel, sie wieder in Nationalparks auszuwildern. Es ist aktuell der einzige Ort in Uganda, an dem diese Riesen in freier Wildbahn leben.
3. Mkomazi-Nationalpark (Tansania)
Eingerahmt von den malerischen Pare- und Usambarabergen an der Grenze zu Kenia, bietet der Mkomazi-Nationalpark in Tansania seit den 1990er-Jahren Zuflucht für Nashörner und seltene Afrikanische Wildhunde. Das dortige, streng bewachte Sanctuary kann im Rahmen geführter Safaris besucht werden.
4. Hluhluwe-iMfolozi Park (Südafrika)
Südafrika ist das historische Herzgelenk des Nashornschutzes. Anfang der 1960er-Jahre war das südliche Breitmaulnashorn praktisch fast ausgestorben. Mit der legendären „Operation Rhino“ fing man im Hluhluwe-iMfolozi Park die letzten Überlebenden ein, um sie in anderen Reservaten gezielt zu vermehren. Heute leben hier wieder mehr als 500 Nashörner.
5. Exklusives Rhino Tracking (Namibia)
Namibia ist berühmt für seine weiten Wüsten und den erfolgreichen Schutz von Wildtieren auf privatem und kommunalem Land. Für ein intensives Rhino Tracking in Namibia eignen sich drei Adressen besonders:
- Ohorongo Game Reserve: Hier stehen nachhaltige Landnutzung und hochspezialisierte Schutzprojekte im Vordergrund (zu erleben bei der Taruk-Reise „Moringa“).
- Otjiwa Wildschutzgebiet: Eine der ältesten Wildtierfarmen in Namibia, auf der Sie neben Nashörnern auch zahlreiche Antilopen-Arten beobachten können (zu finden im Taruk-Programm „Köcherbaum“).
- Rhino Momma Conversation: Nahe der Stadt Outjo im Norden des Projekts liegt dieses beeindruckende Non-Profit-Schutzgebiet, das eines der größten Zuchtprogramme für das weiße Breitmaulnashorn in Namibia betreibt. Seit dem Start des Projekts wurden hier bereits über 175 Kälber geboren, um die Populationen in ganz Afrika wieder aufzustocken.Das besondere Erlebnis: Als Gast der angeschlossenen Kifaru Luxury Lodge können Sie die Tiere nicht nur bei klassischen Pirschfahrten beobachten. Zu bestimmten Zeiten im Jahr bietet das Projekt die seltene Möglichkeit, bei einer echten Schutz-Operation (wie dem schmerzlosen Kürzen des Horns zum Schutz vor Wilderern) hautnah dabei zu sein.
Nashörner der Kalahari (Botswana)
Das Khama Rhino Sanctuary liegt im sandigen Sandveld der Kalahari in Botswana, unweit des historisch bedeutenden Dorfs Serowe. Seit 1992 bietet dieses Schutzgebiet sowohl dem Breitmaul- als auch das Spitzmaulnashorn eine sichere Heimat, in der sie sich erfolgreich vermehren können. Während in einigen Ländern im südlichen Afrika wie Simbabwe der Jagddruck durch illegale Wilderei nach wie vor sehr hoch bleibt, zeigt dieses komplett von der lokalen Gemeinde geführte Projekt vorbildlich, wie nachhaltiger Tourismus und aktiver Artenschutz Hand in Hand gehen.
Fazit: Nachhaltiger Tourismus rettet Nashörner
Ein Nashorn in freier Wildbahn zu sehen, ist ein Privileg. Mit der Wahl einer Reise, die gezielt diese Sanctuaries und Nationalparks ansteuert, finanzieren Sie direkt die Gehälter der Ranger, die Zuchtprogramme und die aufwendigen Sicherheitsmaßnahmen gegen Wilderer vor Ort. Nachhaltige Rhino Afrika Reisen sind somit der wirksamste Hebel, um dafür zu sorgen, dass diese faszinierenden Tiere auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben.
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