Ein schriller, fast unheimlicher Gesang schallt im Morgengrauen durch die Wipfel des dichten Urwalds. Es ist der Ruf des Indri - der größten Lemurenart der Welt. Wer diesen Klang einmal gehört und die Nebelschleier über den Bäumen aufsteigen gesehen hat, vergisst diesen Moment nie wieder.
Wenn Sie über eine Reise nach Madagaskar nachdenken, suchen Sie wahrscheinlich genau nach solchen Erlebnissen. Der faszinierende Inselstaat vor der Ostküste Afrikas im Indischen Ozean, getrennt vom Festland durch den Kanal von Mosambik, ist ein echtes Paradies für Naturliebhaber. Doch eine Madagaskar-Reise ist kein klassischer Erholungsurlaub. Sie ist ein echtes Abenteuer: mit holprigen Pisten, langen Fahrtagen, aber auch unvergesslichen Begegnungen mit Mensch und Natur.
In diesem Reisebericht nehme ich Sie mit auf unsere dreiwöchige Madagaskar Rundreise und zeige Ihnen ehrlich, was Sie erwartet.
Auf einen Blick: Das Abenteuer Madagaskar
Key Facts zu unserer Route:
- Reisedauer: 3 Wochen (optimal für eine Kombination aus Natur und Kultur)
- Anreise: Flug mit Air France über Paris zum Flughafen Ivato in der Hauptstadt Antananarivo
- Beste Reisezeit: September bis November (angenehme Temperaturen, beste Zeit für Tiere)
- Haupt-Transportmittel: Allradgetriebener Geländewagen (4x4) mit lokalem Fahrer
- Währung: Madagassischer Ariary (Geldabheben nur in größeren Städten möglich)
Die Route: Unsere Highlights der Madagaskar-Rundreise
Madagaskar ist riesig und die Straßenverhältnisse sind oft eine Herausforderung. Wir haben uns daher auf die klassische Route durch das Hochland, den Osten und den Süden konzentriert, ergänzt durch einen Abstecher zu den berühmten Baobabs im Westen.
Antananarivo → Andasibe → Antsirabe → Isalo Nationalpark → Morondava
Etappe 1: Start in der Hauptstadt Antananarivo

Unsere Reise begann nach der Landung am Flughafen Ivato in Antananarivo (von den Einheimischen Tana genannt). Die Stadt empfängt einen mit einem bunten, wuseligen Chaos. Überall sieht man geschäftiges Treiben, farbenfrohe Märkte und historische Gebäude.
Ein lohnenswerter Ausflug in der Umgebung ist der königliche Hügel von Ambohimanga, eine UNESCO-Weltkulturerbestätte. Hier erfahren Sie viel über die Geschichte, die das madagassische Volk bis heute prägt. Tana ist lebendig, aber nach zwei Tagen zieht es die meisten Reisenden weiter in die Natur - so auch uns.

Etappe 2: Im Regenwald von Andasibe – Auf der Spur der Indris
Über gewundene Straßen fuhren wir gen Osten nach Andasibe. Die Region ist berühmt für ihren dichten Regenwald und die enorme biologische Vielfalt. Die einzigartige Flora und Fauna Madagaskars zeigt sich hier von ihrer schönsten Seite. Neben Chameleons, Schlangen, kleinen Eidechsen und Lemuren wurden wir von jeder Menge Tieren überrascht.

Highlights in Andasibe:
- Der Ruf der Indris: Der Indri ist die bekannteste Lemurenart des Parks. Ihn in freier Wildbahn zu beobachten, ist ein echtes Gänsehaut-Erlebnis.
- Artenvielfalt: Bei Wanderungen durch das Reservat begegneten wir weiteren Tieren wie dem Wollmaki und dem seltenen Bambus-Lemur.
- Nachtwanderung: Wenn die Sonne untergeht, erwacht der Dschungel erst richtig. Ausgerüstet mit Taschenlampen entdeckten wir winzige Mausmakis, schlafende Vögel, farbenfrohe verschiedene Chamäleons und sogar den einen oder anderen gut getarnten Frosch.

Jeder Naturliebhaber kommt hier ins Schwärmen: Wo sonst sieht man ein so faszinierendes Reptil nach dem anderen in freier Wildbahn? Wir waren vollkommen fasziniert!
Etappe 3: Das zentrale Hochland – Reisfelder, Handwerk und Gelassenheit

Von Andasibe ging es zurück nach Westen und weiter Richtung Süden über die berühmte Route Nationale 7 (RN 7). Die Landschaft verändert sich hier schlagartig: Saftig grüne Reisfelder schmiegen sich an terrassierte Hügel, während im Hintergrund das rote Gestein des Hochlands leuchtet. Ein traumhaftes Motiv!

In der Kolonialstadt Antsirabe legten wir einen Zwischenstopp ein. Die Stadt ist bekannt für ihre vielen bunten Rikschas (hier Pousse-Pousse genannt) und ihre traditionelle Handwerkskunst. Wir besuchten eine kleine Werkstatt, in der kunstvolle Souvenirs aus dem Horn der heimischen Zebus hergestellt werden. Das Zebuhorn verarbeiten die Handwerker in aufwendiger Handarbeit zu Besteck, Schmuck und Kämmen.
Wichtiger Kultur-Tipp: Auf Madagassisch heißt das Lebensmotto der Insel „Mora mora“ – immer schön mit der Ruhe! Wer hektisch reist, verliert. Wer sich dem Rhythmus der Menschen anpasst, gewinnt unvergessliche Eindrücke. Mit unserem Guide dazu hatten wir großartige Einblicke in die Kultur. Er übersetzte uns, was die Menschen uns erzählten und gab uns genügend Zeit, um all unsere kleinen individuellen Pläne auf der Tour umzusetzen.
Etappe 4: Der spektakuläre Isalo Nationalpark

Mitten im trockenen Süden liegt der Isalo Nationalpark. Die Landschaft erinnert an eine Mischung aus Wildem Westen und einer Oase. Mächtige Sandsteinformationen, tief geschnittene Canyons und versteckte Naturpools prägen das Bild.
Nach einer mehrstündigen Wanderung durch die Hitze erreichten wir einen schattigen Rastplatz. Und da tauchte auch schon eine Gruppe brauner Lemuren auf, gefolgt von einigen neugierigen Ringelschwanzlemuren (den bekannten Kattas). Auf die hatte ich mich besonders gefreut, da sie so berühmt sind und mit ihrem Aussehen einfach verzaubern! So entstanden einige lustige Bilder mit den frechen und recht zutraulichen Primaten.

Auf unserem Rückweg stoppten wir dann an einem wunderschönen türkisfarbenen Naturpool. Es war eine wunderbare Erfrischung und ein unglaubliches Erlebnis, in einem so klaren Pool mitten in einer Savannen-Landschaft zu baden - Umsäumt von satt grünen Pflanzen und einer einzigartigen Geräuschkulisse. Gerne wäre ich dort mehrmal zurückgekehrt, so schön war es!

Anschließend ging es weiter in Richtung Küste nach Toliara, wo man die Weite der Landschaft und das ruhige Leben der Fischer hautnah miterleben kann.
Etappe 5: Die magische Baobab-Allee bei Morondava
Kein Madagaskar Reisebericht wäre komplett ohne sie: die mächtigen Baobab-Bäume. Über ein Inlandsflugnetz gelangten wir nach Morondava im Westen der Insel.

Die berühmte Baobab-Allee (Avenue des Baobabs) ist eine unbefestigte Straße, die von jahrhundertealten Baobabs gesäumt wird. Wenn am Spätnachmittag die Sonne tief steht und die riesigen Stammsilhouetten in oranges Licht taucht, scheint die Zeit stillzustehen.
Aber das hat uns noch nicht gereicht! Wir wollten mehr Abenteuer und fuhren daher von hier aus weiter im Geländewagen Richtung Belosur Tsiribihina, um die berühmten kalksteinernen Tsingy-Formationen zu erkunden.

Die Wanderung im Nationalpark war wunderbar. Die wackeligen Brücken machen es aufregend und lustig zugleich und die Natur dort ist einfach einzigartig. Selbst hier sieht man ständig kleine Lemuren flink über die spitzen Steine huschen, während man sich selber langsam seinen Weg bahnt. Ich kann jedem empfehlen, hier her zu kommen!
Wir hatten uns für eine wirklich abenteuerliche Route entschieden, die alle Highlights in Madagaskar abgedeckt hat. Das war super spannend und aufregend, aber beim nächsten mal würde ich doch überlegen, lieber weniger Sehenswürdigkeiten auszuwählen und dafür die Regionen mehr zu genießen. Das sogenannte "Slow-Travel" bringt neben der Umweltfreundlichkeit auch viel mehr Ruhe und Erholung.
Insel-Hopping als Ausklang: Traumstrände auf Nosy Be

Wer nach einer intensiven Madagaskar Rundreise noch ein paar Tage am Meer entspannen möchte, sollte einen Abstecher auf die Insel Nosy Be im Norden einplanen. So haben wir es gemacht und wir waren mehr als glücklich, einen entspannten Strandurlaub an all die Aktivitäten gehangen zu haben. Die Erholung brauchten wir auch wirklich!
- Die Insel Nosy Be: Bietet traumhafte Sandstrände, kristallklares Wasser und hervorragende Tauchspots.
- Tipp für Naturfans: Bei einem Ausflug zur kleineren Insel Nosy Ve im Süden lassen sich prächtige Tropikvögel beobachten. Wer zwischen August und Oktober reist, hat vor der Küste oft das Glück, einen buckligen Wal bei seinen Sprüngen im Meer zu sehen.
Praktische Tipps für Ihre Reise nach Madagaskar
Damit Ihre eigene Reise ein voller Erfolg wird, haben wir die wichtigsten Praxistipps zusammengefasst:
1. Das passende Transportmittel
Madagaskars Straßen (besonders abseits der Hauptrouten) sind oft in einem sehr schlechten Zustand. Ein erfahrener lokaler Fahrer mit Allradfahrzeug ist das beste Transportmittel. Er kennt die Pisten, sorgt für Ihre Sicherheit und ermöglicht authentische und freundliche Kontakte zu den Menschen vor Ort. Außerdem unterstützen Sie so gut bezahlte Arbeitsplätze vor Ort, was einen enormen Effekt auf die Nachhaltigkeit der Reise hat. Mehr dazu können Sie in dem Blog zum Artenschutz in Madagaskar erfahren. Dort spricht das Severin Team darüber, wie Reisen nachhaltig gestaltet werden können, ohne auf Erlebnisse oder Komfort zu verzichten.
2. Geld und Bezahlung
In Madagaskar zahlt man mit der Währung Ariary.
- Bargeld ist absolut essenziell!
- Kreditkarten werden fast nur in großen Hotels akzeptiert.
- Heben Sie in Antananarivo ausreichend Bargeld ab, da Geldautomaten auf dem Land oft leer oder außer Betrieb sind.
3. Kultur und Respekt
Die Madagassen begegnet Fremden mit großer Gastfreundschaft und Freundlichkeit. Achten Sie auf lokale Gebräuche und Tabus (Fady). Fragen Sie immer höflich um Erlaubnis, bevor Sie Menschen fotografieren - ein Lächeln öffnet hier jede Tür. Unser Guide hat uns wirklich mit vielen lustigen und herzlichen Begegnungen überrascht und fleißig für uns übersetzt. Es war immer ein Spaß, dafür sind wir sehr dankbar!
Fazit: Für wen lohnt sich das Abenteuer Madagaskar?
Madagaskar ist ein unfassbar vielseitiges und buntes Land, welches auf jede erdenkliche Art und Weise bereist werden kann. Wer bereit ist, sich auf das Land einzulassen, wird reich belohnt. Die einzigartige Tierwelt, die majestätischen Baobab-Bäume, die atemberaubende Natur und die Herzlichkeit der Menschen machen diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Sie wollen nach Madagaskar, wissen aber noch nicht wie und wo sie anfangen sollen? Wir können die Beratung mit Severin Travel sehr empfehlen! Das Team besteht aus mehreren ehrlichen und erfahrenen Afrika-Expertinnen, die Ihnen eine maßgeschneiderte und individuelle Reise zusammen stellen und auf Ihr Budget anpassen. So können Sie sorgenfrei durch Madagaskar brausen. Grüßt die Lemuren von uns!


